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FFW Nieder-Mockstadt
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Festrede
Liebe Feuerwehrkameradinnen und Feuerwehrkameraden,
werte Festgäste, geehrte Damen und Herren.

75 Jahre Freiwillige Feuerwehr Nieder-Mockstadt ist eine gute Gelegenheit um die Geschichte der Feuerwehr in unserem Ort in groben Zügen einmal darzubringen.

Vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr bestand wie in vielen Gemeinden eine Pflichtfeuerwehr, so ist aus dem Jahr 1787 der Bau eines Spritzenhauses in der Kellerstraße belegt das bis in das Jahr 1952 genutzt wurde.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts hielt der Fortschritt auch in unserem Ort Einzug. So wurde im Jahr 1901 die erste Saug- und Druckspritze angeschafft und 1907 anlässlich der Einweihung der Wasserleitung die erste mechanische Drehleiter des Kreises Büdingen in Betrieb genommen.

Zu Beginn der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden vermehrt Freiwillige Feuerwehren gegründet und am 02. Februar 1935 wurde bei einer Versammlung der Jahrgänge 1901 bis 1914 auch in Nieder-Mockstadt eine Freiwillige Feuerwehr ins Leben gerufen.
Ausschlaggebend für die Gründung dürfte der Hinweis von Bürgermeister Ulrich gewesen sein, dass beim Zustandekommen einer Freiwilligen Feuerwehr die Brandversicherungskammer Darmstadt 1.200,00 RM als Zuschuss für den Kauf von Uniformen zur Verfügung stellt.
31 Anwesende erklärten sich bereit in die Freiwillige Feuerwehr einzutreten. Zum 1. Kommandanten wurde Herrmann Hilß gewählt, der bereits seit 1922 die Pflichtwehr leitete.
Leider war der FFW in ihren Anfangsjahren keine lange Selbstständigkeit beschieden, denn schon in 1938 wurde sie vom NS-Regime der Feuerlösch-polizei unterstellt.
Da viele Mitglieder der Wehr mit Beginn des zweiten Weltkrieges zum Militärdienst eingezogen wurden, nahm die Schlagkraft der Wehr stark ab, so dass sich ab dem Jahr 1942 mehrere Frauen bereit erklärten in die Feuerwehr einzutreten, um den Brandschutz in ihrem Heimatort zu gewährleisten.
„Also Frauen in der Feuerwehr ist nichts Neues!“

Nach dem Zusammenbruch 1945 und den allgemeinen Auflösungserscheinungen wurde wieder die Pflichtfeuerwehr eingeführt. Ihr stand bis 1949 Robert Kaufmann vor.

Anlässlich einer Versammlung der Pflichtfeuerwehr am 03.Juli 1949 wurde die Frage einer erneuten Gründung der Freiwilligen Feuerwehr aufgeworfen.
34 Mitglieder erklärten sich bereit in eine Freiwillige Feuerwehr einzutreten. Zum ersten Kommandanten wurde Hugo Kaufmann gewählt, der dieses Amt bis 1978 innehatte.

Um einen finanziellen Grundstock zu erhalten wurde beschlossen, eine Laienspielerschar zu gründen, um in den Wintermonaten Theater zu spielen.
Dieses war auch 10 Jahre lang erfolgreich. Es fanden sogar Vorstellungen in umliegenden Orten statt.

Das alte Spritzenhaus aus dem Jahr 1787 war in die Jahre gekommen und genügte nicht mehr den Anforderungen. Die seit Jahren leer stehende Synagoge in der Orlesstraße konnte 1952 käuflich erworben werden. Sie wurde umgebaut und mit einem 16 m hohen Schlauchtrockenturm versehen, der 1991 durch den Orkan „Wiebke“ stark in Mitleidenschaft gezogen und zurückgebaut werden musste.

1953 hielt die Motorisierung bei unserer Wehr Einzug. Eine TS8/8 mit VW-Motor „unsere Oma“ wurde in Dienst gestellt.

Unser Banner wurde 1960 nach einer Spendenaktion der Bevölkerung angeschafft und anlässlich des 25jährigen Jubiläums geweiht.

Im Jahre 1966 wurde die Wehr mobil und war nicht mehr auf Traktoren angewiesen, die den Anhänger mit der TS zur Einsatzstelle zogen. Es wurde ein LF-8 der Firma Bachert mit Heckbeladung in Dienst gestellt. Hinzu kam dann 1968 noch ein Schlauchanhänger der ca. 500 m B-Schläuche aufnehmen konnte. Er ist heute noch im Dienst.

1972 hatte die Wehr zwar kein Jubiläum, aber trotzdem  große Tage. Es war die Zeit der Gebietsreform und vom 30.06. bis zum 03.07. fand das letzte Kreisfeuerwehrfest des Kreises Büdingen in Nieder-Mockstadt statt. Hierbei wurde Landrat Moosdorf von den Feuerwehren verabschiedet. Ab dem 01.08.1972 war man dann eine Ortsteilwehr der Gemeinde Florstadt.

Wie in vielen Vereinen hatte man in den folgenden Jahren erhebliche Nachwuchsprobleme. Um diesem entgegen zu wirken gründete der damals stellvertretende Wehrführer Heinz Günter Ebert am 23.09.1977 die Jugendfeuerwehr, die auch heute noch Bestandteil unserer Wehr ist und am 21.09.2002 anlässlich des 25- jährigen Bestehens durch eine Bambini-Gruppe, gegründet durch H. D. Roos, erweitert wurde.

Es bestand aber nun ein Transportproblem und so erstand man aus Mitteln des Vereins einen gebrauchten VW-Bus, der entsprechend umgebaut als MTW und als Fahrzeug für die Jugendfeuerwehr genutzt wurde.

1979 wurden die ersten Funkgeräte und Atemschutzgeräte in Dienst gestellt.

1985 stand das 50-jährige Jubiläum der Wehr ins Haus und es wurde mit einem Festwochenende mit Festumzug gebührend gefeiert.

Mittlerweile war das 1966 angeschaffte LF-8 in die Jahre gekommen und es musste Ersatz her. Im Dezember 1989 konnte das uns noch heute zur Verfügung stehende LF-8, gleichzeitig mit einem VW-Bus, der mit Vereinsmitteln von der Polizei erworben, in Eigenhilfe umgebaut und lackiert wurde, eingeweiht werden.

Zum 60-jährigen Jubiläum 1995 beschloss der Vorstand ein Fest auszurichten. Man bewarb sich für das Kreisfeuerwehrverbandsfest, das man dann vom 24. bis 29. Mai mit einem großen Zapfenstreich und Umzug feierte.

Heute befinden wir uns im neuen Gerätehaus. Bis zur offiziellen Einweihung 2002 aber war es ein Jahrzehnte langer Weg.

Die ehemalige Synagoge, die damals alle Anforderungen eines Feuerwehr-Gerätehauses erfüllte, musste schon 1966, als das erste LF-8 angeschafft wurde, umgebaut werden. Die Einfahrt war zu klein und  musste vergrößert werden. Nach dem Erwerb des ersten MTW musste immer erst das MTW herausgefahren werden, um dann mit dem LF-8 ausrücken zu können.

Nach Eintritt der ersten Mädchen in die Jugendfeuerwehr in den 80er Jahren kam noch ein erhebliches sanitäres Problem hinzu. Es wurde eine Campingtoilette angeschafft. Der 1977 hergerichtete Unterrichtsraum war mit 14 Personen schon überfüllt.

1997 waren die Baumängel an dem ursprünglich als Scheune errichtetem Gebäude so groß, dass der Unterrichtsraum geschlossen werden musste, da die Decke herunter zu brechen drohte. Der darunter liegende Raum
musste mit Bausprießen abgestützt werden. Unterricht und Vorstandssitzungen wurden in privaten Räumen, die mehrere Feuerwehrkameraden zur Verfügung stellten, abgehalten. Nun kam langsam Bewegung in die Bemühungen um einen Neubau. So erging am 30.12.1999 der Bewilligungsbescheid und am 19.06.2000 traf man sich um den ersten Spatenstich durchzuführen. Schon am 25.08.2000 konnte man Richtfest feiern. Mit dem Dachdecken begann unsere Arbeit und endete mit den Außenarbeiten. Alle Angehörigen der Einsatzabteilung, viele passive Mitglieder und einige Leute der übrigen Bevölkerung packten mit an, um den Bau fast komplett in Eigenleistung so zu vollenden, wie er heute steht.
Individuelle Freizeit gab es fast nicht mehr. Jeder packte an, soviel er konnte.
Einige Frauen stellten an den Wochenenden den ganz großen Topf auf den Herd, um uns zu verpflegen.
Bei 6500 geleisteten Arbeitsstunden haben wir aufgehört zu zählen, aber seien sie gewiss, es waren einige mehr.
Die Geduld unserer Frauen war bewundernswert.

Am 15.12.2001 konnte man endlich die alte Synagoge leer räumen und hier einziehen mit der Meldung an die Leitstelle Wetterau:

            „Feuerwehr Nieder-Mockstadt zieht von der Synagoge um ins neue
            Gerätehaus In der Grobach“.

2002 fand dann die offizielle Einweihung unseres neuen Domizils statt.

Nach dem auch das zweite MTW in die Jahre gekommen war, wurde über den Verein unser heutiges MTW – ein Ford – gekauft. Unsere Gerätewarte bauten das Fahrzeug in Eigenleistung um.

Verglichen mit den Anfängen steht die Freiwillige Feuerwehr Nieder-Mockstadt zum 75- jährigen Jubiläum gut da. Doch es sind schon die nächsten Baumaßnahmen geplant, da mit der Vergrößerung des Industriegebietes die vorhandenen Fahrzeuge nicht mehr ausreichen. So soll im Vorgriff auf die Fahrzeugneubeschaffung über dem momentanen Waschplatz eine dritte Fahrzeughalle entstehen, der damals schon so geplant und gebaut wurde, dass man heute nur noch das Mauerwerk aufsetzen und das Dach verlängern muss.

Das war in groben Zügen die Geschichte der Feuerwehr Nieder-Mockstadt in den letzten 75 Jahren.

Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.